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Städtischer Musikverein Soest e. V.

Jephtha, szenisches Oratorium für Soli, Chor und Orchester von Georg Friedrich Händel in Neu St.Thomae
Freitag, 8. September, Samstag, 9. September 2017, 20 Uhr

Jephta von Georg Friedrich Händel
Plakat zum Konzert

Jephtha, Oratorium für Soli, Chor und Orchester von Georg Friedrich Händel

Am 08. September und am 09. September 2017 führten wir das Oratorium Jephta von Georg Friedrich Händel in einer szenischen Aufführung unter der Regie von Friedrich von Mansberg auf. Es musizierten neben den Solisten ein Projektorchester mit Konzertmeister Klaus Esser. Die Gesamtleitung lag in den bewährten Händen von Michael Busch.

Resonanzen

Der Soester Anzeiger berichtete in seiner Ausgabe vom 11. September 2017:

Jephta - Foto von Dr. Peter Schmitz
Chor und Projektorchester des Städtischen Musikvereins boten mit dem Händel-Oratorium „Jephta“ eine großartige Aufführung. Die Mitwirkenden wurden erst nach langen Ovationen von der Bühne entlassen. Fotos: Schmitz

Aufführung begeistert

Städtischer Musikverein beeindruckt mit „Jephta“
Von Dr. Peter Schmitz

SOEST Die Besucher, die sich am Freitag- und Samstagabend zur Aufführung des Händel-Oratoriums "Jephta" durch den Chor und das Projektorchester des Städtischen Musikvereins in der Neu-St.Thomä-Kirche einfanden, sahen sich positiv überrascht, denn die Darsteller interpretierten das großartige Musikstück vor allem als theatralisches Bühnenwerk.

In London, wo er seit 1710 lebte, schrieb Händel seine 22 Oratorien, von denen Jephta 1752 den Schlusspunkt setzte. Friedrich von Mansberg, der auch den Solopart des Zebul übernahm, inszenierte als Regisseur diese biblische Geschichte eines israelischen Kriegshelden, dessen Gelübde jedoch seiner geliebten Tochter das Leben kosten soll, grandios als moderne Oper. So wurde schon mit der Ouvertüre der Chor als Volk Israels in das Bühnengeschehen einbezogen. Dabei war auch die hervorragende sängerische Leistung des Chors des Städtischen Musikvereins Soest ein wesentlicher Pfeiler dieser großartigen Inszenierung.

Melodienbögen präzise ausgesungen

Die einzelnen Melodiebögen wurden äußerst präzise ausgesungen und selbst die leider zahlenmäßig schwach besetzten Männerstimmen konnten sich in den vielen kontrapunktischen Einsätzen der prachtvoll-barocken Choräle gut gegen die klar intonierenden Frauenstimmen durchsetzen.

Michael Busch hielt als Dirigent und musikalischer Leiter klanglich stets eine ausgewogene Balance zwischen Chor, Solisten und dem Projektorchester, welches trotz seiner kleinen Besetzung eine dynamisch vielseitige und kraftvolle Instrumentalbegleitung realisierte.

Jephta - Foto von Dr. Peter Schmitz
Die Darsteller interpretierten das imposante Musikstück vor allem als theatralisches Bühnenwerk.

Die bestens aufgelegten Gesangssolisten hatten nicht nur die oft sehr schwierigen weil kolloraturreichen Arien des berühmten Barockkomponisten engagiert zu singen. Sie mussten dazu auch eine überzeugende Schauspielerleistung auf der Bühne zeigen, die den gesamten Zuschauerraum einbezog. Die Regieidee, Chor und Solisten durch die gleiche schwarze Kostümierung als Teil des einen israelischen Volkes darzustellen, aus dem sich die Solisten nur durch ihre zeitweiligen Arien herausheben bildet den optischen Brückenschlag in die heutige demokratische Gesellschaft, der die Handlung erfrischend entstaubte. Mit ihrer Arie "Schreckensbilder" brachte Cornelia Fisch als Storgé, der Frau des militärischen Anführers Jephta, zum ersten Mal die leidvolle Dramatik der nachfolgenden Handlung auf die Bühne. Diese Arie forderte mit ihren Wechseln in die hohe Kopfstimme und feinen Nuancierungen im Ausdruck nicht nur eine grandiose Gesangstechnik, sondern musste auch in opernhafter Gestik der verzweifelten Lage Storgés Ausdruck verleihen, was der Sängerin hervorragend gelang. Dazu verwandelte sich ihr kampfbereiter Mann Jephta von einem Bürger der Stadt auch äußerlich in einen Soldaten.

Die Schrecken des Krieges und die Traumatisierung der Kämpfer, wie Jephtas Schwiegersohn Hamor, interpretierte Daniel Tappe mit einem an Ligeti erinnernden Orgelzwischenspiel, bei dem sich sukzessive Liegetöne zu einem dramatisch schwebenden Cluster verdichteten, der am Ende in einem beschwichtigenden Choral zusammenbricht. Ein atmosphärisch gelungener Bezug in die Gegenwart.

In den Quartetten der Solisten kam die ausgewogene Farbmischung der einzelnen Stimmen sehr gut zum Ausdruck. So ergänzten sich im Quartett "Verschone die Tochter" die weiche Stimme Michael Rapkes als Hamor, die Härte von Fr. v. Mansberg als Zebul mit der Klarheit von C. Fisch’s Storgé und der dynamisch kraftvoll auftretende M. Connaire als Jephta vortrefflich. Der dazu eindringlich intonierende Chor und das mit einem dramatisch pulsierenden Auftaktrhythmus agierende Orchester unterstützten die sich dramatisch fokussierende Handlung auf der Bühne. Am Ende brillierten noch einmal die beiden Hauptfiguren Jephta (M. Connaires) und seine Tochter Iphis in zwei Arien, die außergewöhnliche Leistungen der Sänger verlangten. So pendelte Jephtas Arie zwischen zärtlichen flehenden Passagen und quälendem Aufbegehren, da er seine Tochter töten muss

Eindringlich und klar interpretiert

Eindringlich und klar interpretierte Vera Filipponi die Schlussarie der Iphis. Ein Engel, kraftvoll gesungen von Sarah Längle erlöst schließlich Vater und Tochter aus diesem Dilemma. Die Zuschauer waren sich am Ende einig, einer seltenen und grandios gelungenen Aufführung des Händel-Oratoriums beigewohnt zu haben. Die Aufführenden wurden erst nach langen Ovationen von der Bühne entlassen. Man darf sich hoffentlich auf weitere Projekte mit den beteiligten Akteuren freuen.

Ausführende

Cornelia Fisch, Vera Filipponi, Sarah Längle, Michael J. Connaires, Daniel Tappe, Michael Rapke, Friedrich von Mansberg, Chor des Städtischen Musikvereins Soest, Projektorchester (Konzertmeister Klaus Esser), Friedrich von Mansberg (Regie), Gesamtleitung: Michel Busch.

Programm

Georg Friedrich Händel: Jephta, Oratorium für Soli, Chor und Orchester
Szenische Aufführung

das vorherige Konzert


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